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Zentrum Artenschutz am Gebäude |
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Seit Juli 2003 gibt es beim Naturschutzbund (NABU), Landesverband Berlin, das Zentrum Artenschutz am Gebäude. In der Anfangsphase wird das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Mit diesem Zentrum wurde erstmals bundesweit ein Koordinations- und Beratungsbüro zur Information, für den Erfahrungsaustausch und zur Förderung des weiteren Engagements zum Schutz am Gebäude lebender Arten eingerichtet.
Insgesamt drei Jahre war die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) Partner des NABU-Landesverbandes Berlin
um ein Zentrum Artenschutz am Gebäude aufzubauen.
Anliegen des Projektes war zum einen die Information breiter Bevölkerungsschichten über Tierarten wie Fledermäuse und diverse Vogelarten, die Gebäude mit ihren
Strukturen Fugen, Spalten, Simsen, Hohlräumen und Schadstellen als "Kunstfelsen" für die Anlage ihrer Nester oder als Wohnquartier nutzen.
Im Zuge des bundesweiten umfangreichen Baugeschehens, wie Gebäudesanierungen, Aus- und Umbau, Umnutzung von Gebäuden, Abriss etc., wurden
viele Nist- und Zufluchtsstätten der geschützten Gebäudebrüter vernichtet, so dass es regional zu deutlichen Bestandsrückgängen kam.
Und so ging und geht es uns zum anderen um die Sensibilisierung der Öffentlichkeit hinsichtlich dieser Trends sowie des gesetzlichen Schutzes, den sowohl diese Tierarten als auch ihre Nist- und Zufluchtsstätten nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) genießen. Denn ohne Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörden mit entsprechenden Auflagen zum Erhalt oder Ersatz von Nist- oder Zufluchtsstätten dürfen die Tiere, ihre Entwicklungsformen oder ihre Zufluchts- und Nistplätze weder beeinträchtigt noch beseitigt werden!
Selbstredend müssen Häuser instand gesetzt oder saniert werden! Wie aber können die Ansprüche der betreffenden Tierarten, also der gesetzlich geforderte Erhalt oder Ersatz ihrer Nist- und Zufluchtsstätten ins Baugeschehen integriert werden, ohne den Bauablauf zu stören?
Lösungsansätze aufzuzeigen war damit der dritte Schwerpunkt des Projektes. So wurden über 100 Bauvorhaben direkt betreut und zahlreiche Anfragen zur Integration von Nisthilfen oder Fledermausquartieren erfolgreich bearbeitet. In unserer Landesgeschäftsstelle halten wir ständig ein breites Sortiment von Fertig- Einbauelementen für Höhlen- und Nischenbrüter sowie Fledermausquartiere bereit.
Tagungen, Vorträge, Artikel, ein Faltblatt sowie die Erstellung und Pflege der Website waren Bestandteile der Öffentlichkeitsarbeit während der gesamten Projektlaufzeit.Die in den drei Jahren vertieften Erkenntnisse, Kontakte und Lösungsansätze werden dabei helfen, das Thema Gebäudebrüterschutz auf hohem Niveau weiter zu bearbeiten. Für den Berliner Landesverband des NABU bleibt dies auf jeden Fall ein Hauptbetätigungsfeld.
Druckvorlage für eine Broschüre
Ein Ergebnis des Projektes war die Erstellung einer Druckvorlage für eine Broschüre
Die Broschüre beinhaltet neben der Darstellung der Problematik des Gebäudebrüterschutzes die rechtlichen Grundlagen und Möglichkeiten, wie den geschützten Tierarten geholfen werden kann und muss, bis hin zu Lösungsansätzen. Mit nur wenigen Änderungen könnte diese Druckvorlage somit bundesweit genutzt werden.
Erforderliche ÄnderungenDas Kapitel "Verfahrensablauf zum Befreiungsverfahren nach Paragraph 62 BNatSchG" (Seite 12) dem Procedere der einzelnen Bundesländer angepasst werden (evtl. kann das
Ablaufschema für Berlin als positive Herangehensweise mit vorgestellt werden).
Im Kapitel "Ein Beitrag zum Artenschutz" (Seite 32) können die Landesverbände eigene Projekte vorstellen.
Diesbezüglich bitten wir Sie, sich mit Ihren Texten, Grafiken, Illustrationen und sonstigen Wünschen an Herrn Kraneis zu wenden, der die nötigen Änderungen unter Beibehaltung des Layouts vornimmt:
Nikolai Kraneis, Dolziger Straße 23, 10247 Berlin
Telefon: 030-4 27 56 03, E-Mail: mail@designport.info
Neben den geringen Kosten für die Anpassung der beiden o.g. Kapitel würden bei Realisierung des Druckes ausschließlich die Druckkosten anfallen.
Wir würden uns freuen, wenn Sie unser Angebot nutzen und stehen Ihnen für Rückfragen oder eine Zusammenarbeit gerne zur Verfügung.
Für weitere Infos wenden Sie sich bitte an:
Katrin Koch, Telefon: 030-9 86 08 37-0/-28, E-Mail: kkoch@nabu-berlin.de
Wie sich die Zeiten geändert haben, zeigen schon die steinernen Pferde über den Toren der in diesem Jahr ihr 80jähriges Jubiläum feiernden Feuerwache Nord.
Heute verraten uns die Pferdeskulpturen an der Fassade, dass dort, wo jetzt Feuerwehr- und Rettungswagen stehen, einst von Pferden gezogene Wasserspritzen standen. Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts waren Pferde, aber auch Kühe keine Seltenheit im Berliner Straßenbild und Kutschen wichtiges Transportmittel; sogar mitten im Zentrum wurde in Hinterhöfen so manche Milchkuh gehalten.
Eine charakteristische Vogelart der Tierställe war und ist die Rauchschwalbe. In den Ställen fand sie immer eine Unterlage zur Errichtung ihres Nestes, und auch für Insektennahrung war dort reichlich gesorgt. Runde über Runde drehten sommers die Schwalben über den Misthaufen und dezimierten die lästigen Plagegeister auf dem Hof, weswegen sie auch gern gesehene Untermieter in den Ställen waren: Fenster und Tore blieben für sie immer einen Spalt offen.
Mit dem Rückgang von Nutzvieh und Zugtieren im Stadtgebiet nahm auch der Brutbestand der Rauchschwalbe stark ab. Heute steht die Art in Berlin wie in ganz Deutschland auf der Vorwarnliste, d. h. wenn die Bestandsentwicklung weiter so verläuft wie in den letzten 25 Jahren, dann ist die Rauchschwalbe ein Kandidat für die Aufnahme in eine Kategorie der Roten Listen.
Dem suchen die Männer der Feuerwache Spandau-Nord zu wehren. Hier sind trotz des Wechsels von Pferden zu Zugmaschinen die Rauchschwalben geblieben.
Die hinter der Feuerwache fließende Havel bietet auch heute noch günstige Möglichkeiten, um Nistmaterial und Futter zu finden,
und selbst Feuerwehrleute, die seit über 30 Jahre in Spandau-Nord ihren Dienst versehen, können sich nicht daran erinnern, jemals im Sommer ohne die Schwalben geblieben zu sein. "Die Schwalben gehören zu unserer Wache wie die Autos", sagen uns alle Mitarbeiter, mit denen wir sprachen. "Gerade wenn man von einem schwierigeren Einsatz zurückkommt, ist die Beobachtung der pausenlos ihren Nachwuchs mit Futter versorgenden Altvögel eine angenehme Ablenkung“, verrät uns ein Feuerwehrmann.
Als vor zwei Jahren mit der Sanierung der Fahrzeughalle begonnen wurde,
ging von einigen Feuerwehrmännern die Initiative aus,
die Rauschwalben unbedingt zu erhalten. Und so konnte ungeachtet des ständigen Sparzwangs durchgesetzt werden, dass in die Hallentore kleine Fenster eingebaut wurden, die auch weiterhin den Rauchschwalben den Zugang zu ihren angestammten Nistplätzen ermöglichen. Allerdings waren sich unter den 70 Mitarbeitern nicht alle einig, die Schwalben in der Halle zu beherbergen. Verschmutzungen auf den Fahrzeugen und Ausrüstungsgegenständen und vor allem in den offen stehenden Rettungswagen verlangten nach einer Lösung. Und so wurden in diesem Frühjahr den Schwalben in der angrenzenden Werkstatt Nisthilfen angeboten, verbunden mit dem Einbau von Fensteröffnungen und anderen Durchlässen im benachbarten Übungsturm.
Sofort wurden die Nisthilfen angenommen und weitere eigene Nester dazugebaut. Fröhlich zwitschernde und sich putzende Rauschwalben auf dem Dach zeigen, dass ihnen die neuen Brutplätze gefallen, doch man lässt uns deutlich spüren, dass dies durchaus nicht für alle Feuerwehrmänner gilt. Auch in der Fahrzeughalle wäre weiterhin Platz für die Schwalben, aber leider denkt der Leiter anders darüber.
Gleichwohl will man an geeigneten Orten
weitere Nisthilfen anbringen, denn irgendwie passen sie schon gut zusammen: die Rauchschwalben bei der Feuerwehr und die häufig in den Rauch fahrenden Feuerwehrmänner. Und genau so schnell, wie diese bei einem Einsatz in ihren Wagen verschwinden und mit Blaulicht und Sirene die Fahrzeughalle verlassen, flitzen die Schwalben unablässig zwischen Havel und Werkstatt über den Hof der Feuerwache.
Zunehmend "entdecken" jedoch auch andere Vogelarten in Berlin geeignete Strukturen an Gebäuden und werden von Baumbrütern zu "Felsenbrütern", wie etwa Ringeltauben, Eichelhäher oder jüngst unsere größten Singvögel: die Kolkraben.
Obwohl Kolkraben auch Felsbrüter auf Simsen oder in Nischen sind, bauen sie ihre Nester in Berlin überwiegend auf Bäumen (ausschließlich Kiefern) und wo Wälder oder Feldgehölze mit geeigneten Bäumen fehlen, auf den Gittermasten der Stromleitungen.
Begrünte Höfe und Vorgärten bieten Tieren in der Stadt Unterschlupf- und Nahrungsmöglichkeiten. Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen dienen als Nistmöglichkeiten. Gehölze und auch Stauden haben bis in den tiefen Winter hinein Früchte und Samen die den hier überwinternden Vögeln als Nahrung dienen.

Auf dem Musterhof der GRÜNEN LIGA Berlin in der Prenzlauer Allee 230 [siehe auch unten den Beitrag "Jungend recherchiert Umwelt"] können Sie einen nach ökologischen Aspekten begrünten Hinterhof besichtigen. Der Hof ist in den Geschäftszeiten der GRÜNEN LIGA (Montag bis Donnerstag von 9.00 bis 17.30 Uhr und Freitag von 9.00 bis 15.00 Uhr) geöffnet. Auf dem Musterhof sind auch verschieden Arten von Niststeinen und -kästen für Gebäudebrüter zu besichtigen.
Die Projektstelle Hofberatung führt auf Wunsch Hofführungen und Beratungen zu Pflanzenauswahl, Regenwassserversickerung, Dachbegrünung und Fördermitteln durch.
Vom 27. bis 30.10. war das Zentrum Artenschutz am Gebäude gemeinsam mit dem NABU Landesverband Sachsen, mit Ausstellung, Informationsmaterialien und Exponaten, die Möglichkeiten zur Integration von Lebensstätten für Vögel und Fledermäuse an Gebäuden demonstrieren, vertreten.
Gemeinsam mit dem NABU-Landesverband Thüringen und weiteren Umweltverbänden war unser Projekt vom 17. bis 19.09.04 auf der Messe HAUS+TECHNIK Messe für Hausbau, Wohnen und Modernisieren sowie eine Woche später, vom 24. bis 26.09.04, bei den Grünen Tagen Thüringen vertreten. Da gerade durch die Modernisierung von Gebäuden die Lebensstätten von Gebäude bewohnenden Fledermaus- und Vogelarten oftmals vernichtet werden, hoffen wir, auf den verschiedenen Messen am Bau Beteiligte mit der Problematik vertraut gemacht, im persönlichen Gespräch evtl. vorhandene Vorbehalte abgebaut und einfache, aber allen baulichen, architektonischen und naturschutzfachlichen Anforderungen gerecht werdende Lösungen zum Erhalt der Stadtnatur vorgestellt zu haben.
Im Rahmen des Partnerschaftsprojekts der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und des IZOP-Instituts besuchte am 8. September 2004 die Klasse 9c der Erfurter Edith-Stein-Schule unter dem Motto "Jugend recherchiert Umwelt" die Geschäftsstelle des NABU Berlin.
Das Partnerschaftsprojekt verfolgt im Wesentlichen drei Ziele:
Beteiligt sind 100 weiterführende Schulen aus den neuen und alten Bundesländern. Das Projekt erstreckt sich über drei Jahre, und jede der jährlich wechselnden Projektklassen besucht eine Woche lang ihre Partnerschule. Die SchülerInnen sind beauftragt, journalistisch über Umweltthemen zu recherchieren und jeweils die Ergebnisse ihrer Tageszeitung zur Veröffentlichung auf einer Sonderseite zur Verfügung zu stellen. Am Ende jedes Projektjahres werden die drei besten journalistischen Leistungen ausgezeichnet.
Das Recherche-Thema der Erfurter Klasse lautete: Aufbau eines Kompetenzzentrums Artenschutz am Gebäude Neue Konzepte zum Schutz von Gebäudebrütern im besiedelten Raum.
Die Leiterin des Projekts Frau Katrin Koch hielt einen einführenden Dia-Vortrag zum Thema Gebäudebrüter und Artenschutz und stellte unser Zentrum vor. Fledermausspezialist Helmut Kablitz sprach über Lebensweise und Verhalten der verschiedenen Fledermausarten, über Fangmethoden zwecks Beringung, und ermöglichte anhand eines leider flugunfähigen Abendseglers den SchülerInnen einen näheren Kontakt zu einem dieser den meisten doch sehr fremdartigen Tiere. Außerdem stand eine Exkursion im Prenzlberg auf dem Programm, in deren Verlauf Frau Koch die Klasse zum Wasserturm sowie zu anderen alten, liebevoll restaurierten Gebäude führte, und die SchülerInnen konnten mit Ferngläsern die Niststätten verschiedener Gebäudebrüter in Spalten und Nischen der Brandmauern in Augenschein nehmen. Die
Stadtexkursion endete im üppig begrünten Innenhof der Grünen Liga e. V., und die Jugendlichen waren noch nicht zu müde, Karen Thormeyers (Grüne Liga) und Katrin Kochs Ausführungen über die Entstehung und Umgestaltung des Atriums zu lauschen und sich die Nistmöglichkeiten zeigen zu lassen. Abschließend wurde Frau Koch von einer Schülerin und zwei Schülern zu ihrem Werdegang im NABU Berlin interviewt.Am ersten Septemberwochenende (4. & 5.09.) beteiligte sich das Zentrum Artenschutz am Gebäude am traditionellen Fledermausfest auf der Spandauer Zitadelle. Infostände, verschiedenste Exponate und last not least ein leider flugunfähiger und nicht mehr auszuwildernder Abendsegler vom NABU-Fledermausexperten Helmut Kablitz betreut, stündlich gefüttert und an derartige Auftritte sichtlich gewöhnt , erfreuten sich einer großen Publikumsresonanz. Besonders die Kinder drängten sich in dichten Trauben, wenn der Pflegling mit schier unersättlichem Appetit Mehlwurm auf Mehlwurm verspeiste. (Man mag solchen Attraktionen prinzipiell mit Skepsis begegnen, doch scheint es zumindest in diesem Fall ein gangbarer umweltpädagogischer Weg, Vorurteilen, Ängsten und Fehlverhalten vieler Mitmenschen gegenüber Fledermäusen entgegenzuwirken.)
Wir führten eine ganze Reihe von Beratungsgesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern, die sich über Fragen des Artenschutzes an Gebäuden im allgemeinen und die Möglichkeiten seiner konkreten Umsetzung auf Dächern, Balkonen und an Fassaden informieren wollten, was mittels unserer neuen, aus fünf Tafeln bestehenden Ausstellung sehr anschaulich demonstriert werden kann.
Vor kurzem haben wir ein neues, reichbebildertes Faltblatt erstellt, das Anliegen, Aufgaben und Ziele unseres Projekts prägnant skizziert und in der NABU-Geschäftsstelle gratis ausliegt. Auch größere Mengen zum Verteilen in Schulen, öffentlichen Einrichtungen etc. sowohl in Berlin als auch bundesweit sind dort erhältlich bzw. werden Interessierten gerne zugeschickt.

Fünf Tafeln, die das Anliegen des Projekts deutlich machen, sollen zum Nachdenken und vor allem zum Handeln anregen.

